
Ansprechpartner:
Dipl.-Ing. Dr.-Ing. Wolfgang Kemmetmüller
Univ.Prof. Dipl.-Ing. Dr.techn. Andreas Kugi
Elektrohydraulische Antriebssysteme sind in der Lage, sehr hohe Kräfte bzw. Momente bei gleichzeitig sehr hohen Verfahrgeschwindigkeiten und geringem Bauraum zu erzielen. Elektrohydraulische Systeme weisen jedoch ein inhärent nichtlineares Verhalten auf und besitzen meist nur eine sehr geringe energetische Effizienz. Im Rahmen dieses Themengebiets werden moderne nichtlineare Reglerentwurfsverfahren zur hochdynamischen Regelung von elektrohydraulischen Antriebssystemen entwickelt. Weiterhin werden konstruktive Maßnahmen zur Verbesserung der energetischen Effizienz untersucht.
Beispiel: Regelung einer eigenversorgten, verstellbaren Axialkolbenpumpe in Schrägscheibenbauweise:
Beispiel: Impedanzregelung elektrohydraulischer Systeme:
Klassischerweise werden elektrohydraulische Aktoren entweder kraft-
oder positionsgeregelt betrieben. In vielen Anwendungen soll jedoch
der dynamische Zusammenhang zwischen Kraft und Position so geregelt
werden, dass sich der geschlossene Kreis wie ein gewünschtes
(mechatronisches) Impedanzsystem verhält. Diese aus der Robotik
bekannte Aufgabenstellung wurde auf elektrohydraulische Systeme
übertragen, wobei hier die nichtlinearen Eigenschaften der
Hydraulik eine besondere Herausforderung für den Reglerentwurf
darstellen. Weiterhin wurden konstruktive Maßnahmen zur
Erhöhung der energetischen Effizienz von elektrohydraulischen
Impedanzsystemen vorgeschlagen. Mögliche Einsatzgebiete sind
aktive Radaufhängungen, Bau- und Arbeitsmaschinen (z.B. Bagger
usw.) sowie elektrohydraulisch aktuierte Roboter.
Beispiel: Closed-Center elektrohydraulische Servolenkung [Kemmetmüller et al., IEEE/ASME Mechatronics, 12(1), S. 85-97, 2007]:
Die steigenden Anforderungen an Fahrkomfort und Fahrdynamik in den
letzten Jahren erfordern die Entwicklung neuer Servolenksysteme. In
diesem Projekt wurde im Rahmen eines Industrieprojekts ein
Closed-Center elektrohydraulisches Servolenksystem entwickelt, welches
die Vorteile einer klassischen hydraulischen Servolenkung hinsichtlich
Energieversorgung und Lenkgefühl und jene einer
elektromechanischen Servolenkung hinsichtlich energetischer Effizienz
verbinden sollte. Dabei wurde gezeigt, dass ein gewünschtes
Lenkgefühl sehr einfach mit Hilfe einer Impedanzregelung erzielt
werden kann. Die Regelungsstrategie wurde an einem Lenkprüfstand
getestet und in einem Testfahrzeug implementiert.
MEMS Drehratensensoren werden in der Automobilindustrie für Fahrdynamikregelungen sowie in der Konsumgüterindustrie in Digitalkameras (Bildstabilisierung), in Navigationssystemen oder in interaktiven Spielekonsolen in hohen Stückzahlen eingesetzt. Die Anforderungen an die Drehratensensoren (geringe Herstellkosten, hohe Genauigkeit und Robustheit) sind im Speziellen für den Einsatz im Automobilbereich extrem hoch, sodass sich daraus eine Reihe von regelungstechnischen Aufgabenstellungen ableiten. Im Rahmen der Forschung werden analytische mathematische Modelle für Drehratensensoren mit unterschiedlichen Funktionsprinzipien (z.B. kapazitive oder piezoelektrische Sensoren) entwickelt. Bei den verwendeten mikromechanischen Strukturen handelt es sich typischer Weise um harmonisch angeregte Resonanzstrukturen mit schwacher Dämpfung. Ein Schwerpunkt der aktuellen Arbeiten liegt daher in der Entwicklung von Modellen, welche ausschließlich die für den Reglerentwurf relevante Dynamik der Resonanzstrukturen abbilden. Diese Modelle bilden die Basis für die Entwicklung von linearen und nichtlinearen Regelungen, welche beispielsweise für die Arbeitspunktstabilisierung der anregenden Oszillation benötigt werden. Darüber hinaus können die Modelle mit einem entsprechend angepassten Detaillierungsgrad im Rahmen der Sensorsynthese sowohl für transiente als auch stationäre Simulationen sehr effizient eingesetzt werden.
Förderprojekt: Eurimus-Projekt EM 103 "RESTLES - Reliable systems level integration of stacked chips on MEMS"
In diesem Forschungsgebiet wird die Modellierung, die Regelung und
Anwendung von elektrorheologischen Flüssigkeiten in Aktoren
untersucht. Eine elektrorheologische Flüssigkeit besitzt die
Eigenschaft, dass sich die effektive Viskosität bei Anlegen eines
elektrischen Feldes maßgeblich und sehr schnell
ändert. Dieser Effekt basiert auf der Ausbildung von Ketten der
in einer Basisflüssigkeit verteilten Polyurethanpartikel.
Beispiel: Semi-aktive Radaufhängung für ein schweres Geländefahrzeug:
Dieses Projekt beschäftigte sich mit der Entwicklung und dem Test
einer semi-aktiven Radaufhängung basierend auf
elektrorheologischen Dämpfern für ein schweres
Geländefahrzeug. Die besonderen Eigenschaften von
elektrorheolgischen Dämpfern erfordern dabei die Entwicklung
neuer Regelungsstrategien zur Ansteuerung der Dämpfer. Zur
Einstellung des Fahrkomforts und der Fahrstabilität wurde eine
hybride Sky- und Groundhookstrategie verwendet. Die Regelungsstrategie
wurde in einem schweren Geländefahrzeug implementiert und im
Fahrversuch erprobt. Das Projekt wurde in Kooperation mit der Firma
FLUDICON und der WTD41 der deutschen Bundeswehr
durchgeführt (Presse).
Der Einsatz von Sensoren ist in manchen Anwendungen unerwünscht, da diese zusätzliche Kosten
für das System bedeuten und ausfallen können. Daher
werden in den letzten Jahren verstärkt sensorlose
Regelungskonzepte erforscht, bei denen der Sensor durch
einen virtuellen Sensor basierend auf geeigneten Beobachterstrategien,
teilweise unter gezielter Ausnutzung von Querempfindlichkeiten, ersetzt wird. In diesem
Forschungsschwerpunkt werden neue sensorlose Regelungs- und
Beobachterkonzepte für elektromechanische Antriebssysteme
entwickelt. Dabei werden zusätzlich zum klassischen Regler- und
Beobachterentwurf auch Fragen bezüglich einer geeigneten
Konstruktion zur Verbesserung der Beobachtbarkeit von nicht messbaren
Zuständen untersucht.
Beispiel: Sensorlose Regelung eines Traktionsantriebes:
In dieser Arbeit wurde ein neuer Drehzahlbeobachter für ein industriell
eingesetztes Antriebssystem so entworfen, dass ein Betrieb der verwendeten
Asynchronmaschinen ohne Drehgeber ermöglicht wird. Aufgrund der
Forderung keine negativen Beeinträchtigungen durch
zusätzliche Signaleinspeisungen hervorzurufen, wurde eine
beobachterbasierte Methode gewählt. Die dafür notwendige
Rotorflussschätzung verursacht bei vielen Modellen Probleme, da
sie meist auf der Integration der Statorspannungsgleichung
beruht. Durch das entwickelte adaptive Beobachterkonzept werden diese
Störungen vermieden und ein praktischer Einsatz
ermöglicht. Eine experimentelle Überprüfung des Systems
erfolgte durch Messungen an verschiedenen Antrieben aus dem Straßen- und Schnellbahnbereich.